REMO LARGO, ZUM «JUNGBRUNNEN EINER GESELLSCHAFT»

Mai 2, 2012 in NACHGEFRAGT
Autor: Jürg Minsch und Thom Held

Remo Largo

 

 

 

 

 

2 Fragen der Denk-Allmend-Initianten an den in allen Schweizer Familienstuben bekannten Facharzt und Buchautor Remo Largo:

Die Denk-Allmend:  Viele der im Wettbewerb eingereichten Zukunftsideen zum Flugplatz stammen von jungen Leuten. Die von der Jury herausgehobenen Ideen, sowie alle prämierten Ideen stammen von Einzelpersonen und Teams, die am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Ist dies womöglich ein Ausdruck dessen, was Sie im Zusammenhang mit Ihrem neuesten Buch als «stete Neuerfindung der Moral» und als «Jungbrunnen der Gesellschaft» bezeichnen?

Remo Largo:  Die Erneuerung der Gesellschaft kommt immer von jungen Menschen, sei es gesellschaftlich, kulturell oder technisch. Die Gesellschaft verbaut sich also die eigene Zukunft, wenn sie der jungen Generation nicht den notwendigen Freiraum gibt, um sich kreativ auszudrücken. 

Aus den Wettbewerbsideen lässt sich ein Psychogramm dessen herauslesen, was vor allem auch jüngere Teile der Zivilgesellschaft für Sehnsüchte, Wünsche und Forderungen an die Zukunftsgestaltung hegen (siehe S. 8 unserer Zeitung vom Okt. 2011): der Wunsch nach mehr Denk- und Gestaltungsfreiräumen, die Lust auf mehr Experimentieren, auch wenn es um Gesellschaftsfragen und Demokratie geht, sowie die wiederum wachsende «Lust und Freude am Politischen», ausgerechnet bei jenen, die man gerne apolitisch bezeichnet. Überrascht Sie das?

Die jungen Menschen werden immer dann politisch aktiv, wenn die Alltagsrealität und Ihre Erwartungen und Vorstellungen allzu sehr auseinanderklaffen. Ein grosses Problem  in unserer Gesellschaft ist, dass viele junge Menschen 15 und mehr Jahre in einer Art Wartsaal verbringen müssen: Sie sind in Ausbildung, existentiell abhängig und fühlen sich von der Gesellschaft nicht ernst genommen. Eine der negativen Auswirkungen ist eine katastrophale Familienpolitik, die dazu führt, dass Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes im Mittel über 30 Jahre alt sind. Ein sehr guter Grund politisch aktiv zu werden, nicht nur, aber vor allem für die Frauen.

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Remo Largo bekam von einem Mitglied der Begleitgruppe der Denk-Allmend, dem Zürcher Künstler und Landschaftsarchitekten Jürg Altherr, die Zeitung / den Katalog zur Denk-Allmend-Ausstellung im Oktober 2011 überreicht. Er schrieb ihm am 22.3.2012 als Reaktion:

Besten Dank für die Denk-Allmend. Ich war sehr beeindruckt, wie viele originelle Ideen zusammengekommen sind. –
Wenn doch unsere Bildungs- und Kulturpolitik auch so kreativ wäre! Mir ist einmal mehr sehr schmerzhaft bewusst worden, wie sehr uns Visionen fehlen.
Mit herzlichen Grüssen Remo Largo