BENEDIKT LODERER, ZUM UMGANG MIT DEM GRUNDSTÜCK VON NATIONALER BEDEUTUNG

Juni 18, 2012 in NACHGEFRAGT
Autor: Jürg Minsch und Thom Held

Benedikt Loderer, Martin Guggisberg

 

 

 

 

 

 

3 Fragen an Benedikt Loderer, dem «Stadtwanderer» und Gründer der Architektur- und Design-Zeitschrift HOCHPARTERRE im engagierten Un-Ruhestand:

Die Denk-Allmend:  Herr Loderer, als schweizweit bekannter «Stadtwanderer» kennen Sie Land und Leute wie kaum jemand sonst. Was ist für Sie der Flugplatz Dübendorf? Ein Stück Land wie vieles andere auch?

Benedikt Loderer:  Eben nicht, es ist ein Grundstück von nationaler Bedeutung. Es ist zu wichtig, dass man es dem landesüblichen Planungsprozess überlassen kann. Wenn es das gäbe, müsste man eine eidgenössische Planungszone errichten. Jedenfalls dürfen nicht die Gemeinden entscheiden, die wollen nur Beute machen. Man muss den Planungsprozess hinter den geschlossenen Türen mit besseren Ideen stören.

Mit Blick auf die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf ist es im VBS und UVEK, beim Kanton Zürich und im Glatttal still geworden. Wie deuten Sie diese Stille?

Es ist kein Planungsprozess, es sind Verteilungskämpfe. Die macht man besser im Hinterzimmer als in der Öffentlichkeit. Es wird uns ein «fait accompli» als die beste und einzige Lösung präsentiert werden: «mit breiter Abstützung» werden die Politiker behaupten. Was sie alles beiseite liessen, kommt nicht mehr auf den Tisch. Das Grundstück ist für einen lauen Kompromiss zu schade. Dann lieber nicht oder weiterhin Flugplatz.

Die Kräfte formieren sich. Es wird lobbyiert. Glauben Sie, dass dabei die Perspektive des «werthaltig Grossen» und des «national Bedeutenden» eine Rolle spielt? (Vergleiche dazu unsere Haltung in Blog-Artikel “104 _ Schweiz sein heisst visionär sein”). Ist das «für die Nation Zukunftsweisende» erreichbar, wenn die Schweizer Zivilgesellschaft unbeachtet und unberücksichtigt bleibt?

Der vielgeliebte Föderalismus hat auch seine Nachteile. Es ist die Herrschaft der Dorfkönige und Talfürsten. Will man die nationale Ebene in Betrieb setzen, so bleibt nur der Sachplan des Bundes. Es wäre das erste Mal, dass ein Sachplan für eine Konversion erlassen würde. Der Bund drückt sich lieber um seine Verantwortung. Lieber ein paar Milliönchen für den Grippen herausholen als über ein «nationales Grundstück» nachdenken.

[Foto: von Martin Guggisberg]